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Integrationskurs04
Im Rahmen des Aktionstages am 9. November 2018 besuchte unser Kurs 12 E1 einen Deutschkurs für Flüchtlinge, der an der Kreisvolkshochschule angeboten wird. Wir unterhielten uns mit den 25 Flüchtlingen, die aus den Ländern Afghanistan, Iran, Irak, Sudan, Eritrea, Syrien, Somalia, Elfenbeinküste, Russland, Türkei und Indien kommen.
Die Gespräche über deren Flucht, ihre Reise und ihr jetziges Leben in Deutschland waren interessant und berührten uns sehr.

1. Ich unterhielt mich mit Jama Aidid aus Somalia. Er ist bereits seit vier Jahren in Deutschland und erzählte mir von seinem zweijährigen Weg nach Deutschland. Wegen al-Shabaab, einer militanten islamischen Bewegung, ergiff er 2012 die Flucht aus seinem Heimatland. Seine Flucht führte ihn durch Äthiopien, den Sudan und Libyen. Von dort aus fuhr er mit einem Boot nach Italien, stieg dort in einen Zug und kam in Osnabrück an. Er fuhr fort, wie alleine er sich oft gefühlt hat, da er seine Frau zurücklassen musste. 2016 schaffte auch sie es nach Deutschland und hier bekamen sie zwei Kinder, was er mir freudig erzählte.
Ich war sehr von seinen guten Deutschkenntnissen überrascht. Später erzählte er mir, wie gerne er den Kurs besucht und berichtete mir von seinen Zukunftsplänen.
Mir hat das Gespräch mit Jama gut gefallen. Es hat mich berührt, mich welchen Hürden und Problemen er bisher kämpfen musste und freue mich für ihn, dass er nun mit seiner Frau und seinen Kindern hier leben kann. (Greta)

2. Ich unterhielt mich mit Yasir aus Damaskus, Syrien. Yasir ist seit 2015 mit seiner Familie in Deutschland, weil er aufgrund der Unruhen in Syrien flüchten musste. Er erzählte mir stolz von seiner Malerfirma, die er in Syrien besaß. Er hatte das Glück, mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen zu können, da sein Bruder schon länger hier lebt. Zwei seiner Kinder sind in der Schule und das Dritte geht noch in den Kindergarten. Er besucht den Deutschkurs sehr gerne und ist, wenn alles gut läuft, in drei Monaten fertig. Er wünscht sich mehr Kontakt zu Deutschen, da es dann einfacher für ihn wäre, die Sprache zu lernen. Danach berichtete er mir von der Abneigung, die er im Alltag erfährt. Sein Wunsch ist es, hier auch einmal eine Malerfirma zu eröffnen.
All dies berührte mich sehr, da ich mich noch nie mit den Einzelschicksalen der Flüchtlinge beschäftigt habe, und ich fand es sehr interessant, mich mit ihm zu unterhalten und seine Geschichte zu hören. (Carlotta)

3. Ich habe mich hauptsächlich mit einem Mann Mitte 30 unterhalten, der aus dem Irak stammt. Er erzählte mir, er sei zweisprachig (kurdisch und arabisch) aufgewachsen, wobei in seiner Heimat mehr Arabisch gesprochen wird. Er besuchte nur 4 Jahre seines Lebens die Schule bzw. Grundschule, weshalb es ihm schwer fiel, Dinge wie Grammatik und Politik zu lernen. Jedoch fiel mir auf, dass er schon sehr gut Deutsch sprechen kann, obwohl er erst seit 3 Monaten in Deutschland lebt.
Er wohnt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Königslutter und möchte nach dem Deutschkurs in der KVHS als Kellner arbeiten. Zudem hat er mir erzählt, dass er kein Moslem ist, sondern zu den Jesiden gehört. Er erzählte mir davon, dass dies eine Religionsgruppe sei, die sehr klein sei, und dass die Farben eine besondere Bedeutung in dieser Religion haben. Er lebe rot und weiß. Rot stehe für „Leben“ und „Freude“ und weiß für die „Reinheit“ o.ä. Er fragte mich deshalb auch nach meinen Lieblingsfarben und erzählte mir die Bedeutungen.
Wir sprachen auch über unsere Familien, wobei er mir erzählte, dass er zwar mit seiner Frau und Kindern hier lebt, jedoch der andere Teil seiner großen Familie noch im Irak lebt. Sie haben regelmäßigen Kontakt und skypen jedes Wochenende. Insgesamt schien er in relativ stabilen Verhältnissen zu leben und möchte am liebsten seine große Familie nach Deutschland holen.
Zusammenfassend war es eine sehr schöne Unterhaltung, die von beiden Seiten ausging. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich habe sogar sehr interessante Dinge erfahren, wie z.B. die Bedeutung der Farbsymbolik in seiner Religion. Das Gespräch hat mich sehr bereichert und es hat mich gefreut, gleich mehrere neue und nette Menschen kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen. (Julia)

4. Ich habe mit 2 Frauen gesprochen. Eine der beiden ist 20 Jahre alt, sie stammt aus dem Irak und ist seit 2 Jahren in Deutschland. Sie hat mir von ihren Hochzeitsplänen berichtet und hat erzählt, dass sie gerne eine Ausbildung zur Erzieherin in Deutschland machen möchte.
Die andere Frau stammt aus Afghanistan und ist 30 Jahre alt.
Sie haben mir beide Fragen zum Leben in Deutschland gestellt, z.B. was in der Schule unterrichtet wird. Insgesamt war es sehr interessant, etwas über ihr Leben zu erfahren. (Finja)

5. Ich habe mich mit einem Mann aus dem Irak unterhalten. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Er ist 43 Jahre alt und hat 6 Kinder und einen Enkel. An den Wochenenden arbeitet er als Pizza-Lieferant.
Er ist zu Fuß und mit dem Auto nach Deutschland gekommen. Seine Deutschkenntnisse waren gut, wir konnten uns gut unterhalten und man hat alles verstanden. Er war sehr offen und hat gleich angefangen, über sich zu erzählen. Insgesamt fand ich das Gespräch sehr interessant, und es hat mir viel Spaß gemacht, mehr über die Menschen zu erfahren. (Melina)

6. Ich habe mich mit einem jungen Mann aus dem Iran unterhalten. Er ist noch nicht sehr lange in Deutschland und ohne seine Familie hierher gekommen. Er weiß nicht sehr viel über seine Familie, die er zurücklassen musste. Er ist zu Fuß nach Deutschland gekommen.
Er konnte leider noch nicht sehr gut Deutsch, weswegen das Gespräch sehr einseitig war und er nicht sehr gut auf meine Fragen eingehen konnte. (Rieke)

7. Die Frau, mit der ich mich in der KVHS unterhalten habe, ist 27 Jahre alt und kommt aus dem Sudan. Nachdem ich sie gefragt habe, wie es in Deutschland ist, meinte sie daraufhin, dass es sehr schwer ist, die Sprache zu lernen. Ich habe mich erst gar nicht getraut, etwas über ihre Familie zu fragen, da sie sehr emotional hätte reagieren können.
Außerdem schilderte sie mir ihren genauen Tagesablauf in ihrem Heimatland und informierte mich über ihre Familie, die größtenteils noch in Afrika lebt. Des Weiteren sprach sie mit mir über ihre Hobbies, welche aus Singen und Basketball bestehen.
Schlussendlich meinte die Frau noch, dass ihr die deutschen Spezialitäten wie z.B. Kartoffeln oder Brezeln sehr gut gefallen.
Insgesamt fand ich das Gespräch sehr gut und interessant und kann sagen, dass es sehr aufschlussreich war, sich mit einem Menschen aus einem Integrationskurs zu unterhalten. (Marlon)

8. Im Rahmen unseres Besuchs sprach ich mit einem Mann im mittleren Alter, der vor drei Jahren aus Afghanistan geflohen ist. Er verbrachte zunächst einige Zeit im Iran, bevor er – teilweise mit dem Bus, teilweise zu Fuß – über die Türkei nach Griechenland floh, von wo aus er dann nach Deutschland kam. Er berichtete mir von den Problemen auf der Flucht sowie von der schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan, wo niemand seine Kinder unbeaufsichtigt lässt, da jederzeit die Gefahr eines Anschlags besteht. Aus diesem Grund ist der zweifache Vater sehr froh, in Deutschland zu sein. Unter der Woche besucht er jeden Tag den Deutschunterricht, am Wochenende arbeitet er in einem Restaurant, und in seiner Freizeit spielt er sehr gern Fußball im regionalen Verein. Besonders freut es ihn, dass seine Kinder zur Schule gehen können, wo sie lesen und schreiben lernen, da ihm diese Möglichkeit als Kind verwehrt wurde.

9. Bei meinem Gespräch mit einer 28-jährigen Türkin und einem älteren Sudanesen, der mir sein Alter nicht konkret genannt hat, wurden nicht nur Gemeinsamkeiten sondern auch Unterschiede zwischen den beiden Teilnehmern deutlich. Die Türkin erzählte mir, dass sie wegen ihres Ehemanns nach Deutschland kam und dass sie nach Abschluss ihres Deutschkurses eine Ausbildung als Computertechnikerin anstrebt. Der Migrationshintergund des Sudanesen blieb mir jedoch unklar, da er es mir nicht erzählte. Dafür erfuhr ich umso mehr über sein bisheriges Leben in Deutschland. Ihm seien zwar überwiegend nette und ihm gegenüber offene Menschen begegnet, aber gleichzeitig sei er auch Opfer rassistischer Anfeindungen geworden, wie z.B. dass er in der Öffentlichkeit von Personengruppen aufgrund seiner Hautfarbe beschimpft worden sei.
Des Weiteren sagten sie mir auch, wie schwer, aber trotzdem notwendig das Erlernen der deutschen Sprache sei. (John)

Die Idee, einen Deutsch-Sprachkurs mit Geflüchteten aufzusuchen, stammt aus der ersten Planungsphase für den Aktionstag. Da ich sofort daran gedacht hatte, dass das für die Schüler aus meinem Leistungskurs im 12. Jahrgang eine geeignete Aktion sein könnte, hatte ich im Vorfeld im Programm der KVHS recherchiert, mich dann mit der zuständigen Dame, Frau Silke Michael, per Mail abgesprochen und schließlich einen Besuchstermin vereinbart. Der von mir ausgesuchte Integrationskurs 38, geleitet von Herrn Mehmet-Emin Saltik, ist ein Kurs mit 25 Stunden Unterricht pro Woche und läuft von August 2018 bis März 2019. Alle Teilnehmer müssen beim BAMF gemeldet sein. Der Kurs ist für sie kostenlos. Insgesamt muss die Teilnahme an 600 Stunden Deutschunterricht und an 60 Stunden politisch-gesellschaftlichem Unterricht nachgewiesen werden, bevor der Integrations-Kurs mit dem Test „Leben in Deutschland“ und dem DTZ, dem „Deutschtest für Zuwanderer“ (Niveau A2/B1) abgeschlossen wird.
Am Donnerstag, dem 8 November 2018 wurden die Schüler und ich zunächst mit einer kleinen Einführung über die Situation der Geflüchteten im Landkreis Helmstedt von Frau Michael begrüßt. Anschließend nahmen wir für ein paar Minuten als Zuhörer am Unterricht teil. Wir waren erstaunt, wie gut die meisten Teilnehmer schon Deutsch sprechen konnten und wie locker und entspannt der Unterricht ablief. Die restliche Zeit war den Gesprächen mit den Teilnehmern gewidmet: im Klassenraum und in der Cafeteria saß man bei Kaffee und dem von den Schülern mitgebrachten Kuchen beisammen und tauschte sich aus. Die oben abgedruckten Berichte sind Zusammenfassungen dieser Gespräche. Alle waren sich einig, dass so ein Besuch – eventuell auch in größerem Rahmen – gerne wiederholt werden kann. Und vielleicht ergibt sich auch einmal die Gelegenheit, Kursteilnehmer zu uns ans Julianum einzuladen.

Astrid Grabenhorst-Nitschke